Einordnung der Testamentspublikation in das
Projekt Wallraf

Gudrun Gersmann

An Ferdinand Franz Wallraf kommt man nicht vorbei – nicht, wenn man sich für die Geschichte des Sammelns im 18. Jahrhundert und der Französischen Revolution interessiert, und erst recht nicht, wenn man an der Kölner Universität zur Epoche der Frühen Neuzeit forscht und lehrt. Der erste Schritt einer Annäherung an den über die Grenzen Kölns hinaus bekannten Gelehrten, Sammler, Kulturpolitiker und Stadtreformer fand bereits im WS 2014/2015 im Rahmen eines interdisziplinären Seminars statt. Mit dem Ziel des Wissenstransfers in eine breitere Öffentlichkeit wurde im Rahmen der Lehrveranstaltung gemeinsam mit Studierenden aus den Fächern Geschichte und Kunstgeschichte eine online-Publikation erarbeitet, über die das an der Universität gesammelte Wissen in die Stadt hinein getragen und auch über die Wissenschaft hinaus zugänglich gemacht werden konnte.

So entstand das Konzept „Wallraf digital“, das wir in den vergangenen Jahren im Sinne der Ausrichtung des Lehrstuhls – Erforschung des kulturellen Erbes um 1800, Aufbau digitaler Kompetenzen bei jungen WissenschaftlerInnen und online Publizieren – immer stärker ausgeweitet, differenziert und weiterentwickelt haben: Die digital veröffentlichten, mit Videos, Quellentranskriptionen, einer Zeitleiste und einem regelmäßig aktualisierten Blog angereicherten Beiträge stießen bei den Kölner Kulturinstitutionen auf erfreuliche Resonanz. „Wallraf digital“ fungierte schließlich nicht nur als Impulsgeber für die große Ausstellung des Wallraf-Richartz-Museums 2018 „Wallrafs Erbe. Ein Bürger rettet Köln“. Der Zeitpunkt der Ausstellungseröffnung ist keineswegs willkürlich gewählt, denn es gilt, ein Jubiläum zu feiern: Genau vor 200 Jahren, am 9. Mai 1818, unterzeichnete Wallraf das Testament, in dem er seine bedeutenden Kunst- und Büchersammlungen der Stadt Köln vermachte.

Aber was genau steht denn eigentlich in diesem berühmten Testament drin? Und warum gibt es mehr als eines, wie sich bei unserer biographischen Spurensuche herausstellte? Elisabeth Schläwe und Sebastian Schlinkheider, wissenschaftliche/r MitarbeiterIn am Lehrstuhl für die Geschichte der Frühen Neuzeit, haben die Fragen, auf die wir im Laufe unserer Diskussionen immer wieder gekommen sind, gerne aufgenommen und sich im Vorfeld des Jubiläums an die Erschließung und Erforschung der relevanten Quellen gemacht. Die mühselige Arbeit des Transkribierens hat sich aus unserer Sicht gelohnt: Aus den ersten Überlegungen und Diskussionen ist im Laufe der Monate eine digitale Publikation entstanden, die neue Erkenntnisse über Wallrafs letzten Willen liefert, einen „letzten Willen“, den er, um genau zu sein, drei Mal veränderte. Von der ursprünglichen Forschungsfrage über die Auswertung der Quellen bis hin zum Konzept und der Umsetzung einer Publikation der Ergebnisse, vor allem einer digitalen Publikation mit ihren besonderen medialen Anforderungen, ist es ein weiter Weg. Dass die „Testamente“ nun pünktlich zum Jubiläum in der vorliegenden Form erscheinen können, ist das Ergebnis strukturierter kreativer Prozesse und einer zielgerichteten Umsetzung. An dieser Stelle gilt ein besonderer Dank Christine Schmitt, die das gesamte Projekt in allen Phasen nicht nur konzeptionell maßgeblich begleitet, sondern auch den Projektverlauf gesteuert hat.

Die vorgelegte Publikation ist die „Visitenkarte“ der Arbeit von Frau Schläwe und Herrn Schlinkheider und im Kontext von „Wallraf digital“ ein weiteres Beispiel einer digitalen Publikation zur Nachwuchsförderung auf der von der Universität zu Köln geförderten neuen wissenschaftlichen Publikationsumgebung mapublishing-lab.uni-koeln.de. Wir wünschen „bonne lecture“!

Prof. Dr. Gudrun Gersmann
Lehrstuhl für die Geschichte der Frühen Neuzeit an der Universität zu Köln

Empfohlene Zitierweise:
Gersmann, Gudrun, Einordnung der Testamentspublikation in das Projekt Wallraf, in: Schläwe, Elisabeth / Schlinkheider, Sebastian, Letzter Wille mit großer Wirkung – Die Testamente Ferdinand Franz Wallrafs (1748–1824), DOI: https://dx.doi.org/10.18716/map/00003, Publikationsumgebung mapublishing (2018), URL: hier Seiten-URL einfügen (zuletzt abgerufen am: Abrufdatum einfügen), ggf. für die stellengenaue Zitation „Abs.“ und Absatz-Nr. einfügen.